Wien Magazin

Parlament

 

Die Wiener Ringstraße

Ganz leise summe ich „Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday, liebe Ringstrasse, happy birthday to you!“ Sage und schreibe 150 Jahre wird sie alt, Zeit um sie hochleben zu lassen und zu feiern. Viele Institutionen und Museen widmen der Ringstrasse Sonderausstellungen und dokumentieren anhand von alten Plänen und Fotos die Baugeschichte der damals größten Baustelle Europas.

Begonnen hat alles mit dem guten, alten Kaiser. Mit den Worten „Es ist mein Wille…“ gab er 1857 den Befehl die Stadtmauern rund um die Innere Stadt abzureißen. Somit war Platz für kaiserliche Repräsentationsbauten (Neue Burg, Kunsthistorisches Museum, Naturhistorisches Museum, Staatsoper und Burgtheater) wie auch das Parlament, das Rathaus und die Universität. Dazwischen errichteten jüdische Großbürger wie die Familie Epstein, Todesco und Ephrussi ihre Stadtpaläste.

 

Urania

 

Die Ringstraße zu überqueren, ein Stück an ihr entlang zu schlendern, die Oper zu bewundern oder in einem Ringstraßencafé (es waren einmal 27!) eine Melange zu trinken ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Niemals habe ich diesen Prachtboulevard als architektonische Meisterleistung anerkannt, ich kenne zwar viele Gebäude (auch von innen), habe die Ringstraße aber nie als ganzes betrachtet. Es wird also Zeit!

 

Naturhistorisches Museum

 

Ich beginne meinen Rundgang zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum. Maria Theresia wacht über beide Museen, die unzählige Schätze beherbergen. Im KHM hängt mein viel geliebter Vermeer, im NHM treiben momentan Mammuts ihr Unwesen. Ich schreite durch das Äußere Burgtor und stehe vor der Neuen Burg. Gottfried Semper zeichnete sich als Architekt für dieses Gebäude aus. Hier ist unter anderem das Ephesosmuseum untergebracht.

 

Hofburg

 

Auf der anderen Straßenseite lässt sich die goldene Figur der Pallas Athene bewundern. Noch nie habe ich das Parlament von innen besichtigt. Das muss ich aber unbedingt noch nachholen. Erbaut wurde es vom Architekten Theophil von Hansen, der neben dem Parlament auch das Palais für die Familie Epstein errichtete. Klar zu erkennen ist der Baustil, den Hansen als Vorbild nahm: Er begeisterte sich für die griechische Antike.

Nebenan huldigte Friedrich von Schmidt die Neugotik und zeichnete sich für die Pläne des Rathauses verantwortlich. Dank eisernem Rathausmann, der den mittleren Turm schmückt, ist der Rathausturm über 100 Meter hoch. Der Rathausmann hat nicht nur eine Schuhgröße von 63, sondern einen schönen Blick über die Stadt und auf den Rathausplatz. Hier ist eigentlich immer etwas los. Vom Christkindlmarkt über Kinofestival bis zum Life Ball reicht die Palette der Veranstaltungen.

 

Rathaus Wien

 

Wieder komplett anders präsentiert sich das Burgtheater. Im Neobarock wurde es von Gottfried Semper und Karl von Hasenauer erbaut. Hier treten die Lieblinge des Wiener Theaterpublikums auf. An zwei Vorstellungen erinnere ich mich ganz besonders: Ulrich Mühe als „Peer Gynt“ in der Inszenierung von Claus Peymann und Wolfgang Gasser als Robert Schuster im Stück „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard. Woran ich mich nicht erinnere: An das Deckengemälde im Stiegenhaus, gestaltet von Gustav Klimt.

Ich gehe vorbei am Café Landtmann und bewundere die goldene Figur der Viktoria, die das Denkmal an den Bürgermeister Johann Andreas von Liebenberg schmückt. Vis-a-vis steht die Universität. Das Gebäude feiert gemeinsam mit der Ringstraße das 150-jährige Jubiläum, die Universität selbst ist stolze 650 Jahre alt. Schräg dahinter steht die neugotische Votivkirche. Sie steht zwar nicht direkt am Ring, darf aber selbstverständlich mitfeiern.

 

Cafe Landtmann

 

Eines der interessantesten Bücher über die Ringstraße ist das Buch „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ von Edmund de Waal. Er erzählt in diesem biografischen Roman die Geschichte seiner Familie, der Ephrussis. Es ist eine Geschichte von Aufstieg und Untergang, denn die Ephrussis, die das gleichnamige Palais erbauen ließen und durch den Kauf des Grundstück einen Teil der Ringstraße mitfinanzierten, waren Juden und verloren 1938 ihr gesamtes Hab und Gut.

Erst die Hälfte der Ringstraße habe ich hinter mir gebracht und bin dann doch schon ein bisschen erschöpft. So viel Geschichte steckt in diesen wenigen Kilometern. Börse, und Urania sind die nächsten größeren Gebäude, gefolgt vom ehemaligen Kriegministerium und dem wunderschönen, von Otto Wagner erbauten, Postsparkassen-Gebäude.

Das MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst – lasse ich sprichwörtlich links liegen und lege im Café Schwarzenberg eine Pause ein. Drei von 27 Ringstrassencafés haben überlebt und das Schwarzenberg ist eines davon. Wie immer schmeckt mir die Melange, aber bei dem Preis muss der Kaffee auch gut sein.

 

Wiener Ruingstrasse

 

Mein letztes Gebäude in der Runde ist die Staatsoper. Nur acht Jahre dauerte die Bauzeit. Mein letzter Besuch ist mindestens genauso lange her. Die Oper Wozzeck stand damals auf dem Spielplan. Mein Rundgang war für mich ein Anlass in die Geschichte Wiens einzutauchen. Außerdem habe ich mir vorgenommen im kommenden Jahr einige der Gebäude wieder- oder zum ersten Mal zu besuchen.

Text und Fotos: Gudrun Krinzinger

Gudrun Krinzinger

Die Ringstraße feiert Geburtstag. So nehme ich mir eine Runde zu drehen, die Gebäude entlang des Rings zu bewundern und ihr und den Architekten ein Ständchen zu singen.

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