Schladming / Dachstein Magazin

Blick ins Ennstal

 

Ennstal: Durch die Wörschachklamm zum Spechtensee

Der Name des kleinen Örtchens im Ennstal – „Wörschach“ – hat mir immer schon immens gut gefallen. Schon als Kinder sind wir dort auf der Ruine Wolkenstein herumgeklettert. Aber das war immer nur der Anfang einer langen Wandertour – denn auf die Kletterpartie folgte unweigerlich der spannende Anstieg durch die wildromantische Wörschachklamm.

 

Wörschachklamm

 

Ungezählte Male bin ich auf den rutschigen Holz-Steigen, die ganz nah am Fels und über dem tobenden schon hinangestiegen. Anfangs wurde ich noch getragen - am Rücken meiner Eltern in der Kindertrage, später durfte ich schon alleine mitwandern. Aber unter aller gebotener Vorsicht, denn die Wasserfluten unter den Holzkonstruktionen flößten mir als kleines Kind schon ordentlichen Respekt ein.

 

Klettern in der Wörschachklamm

 

Seit ich als Erwachsene immer wieder hierher komme, wo sich der Wörschachbach vom Spechtensee bis zur Enns seinen wilden Weg gesucht hat, hat sich daran aber nichts geändert. Im 19. Jhdt. zogen durch diese enge Schlucht gar Fuhrwerke über eine extrem steile Brücke (heute kaum vorstellbar), die Errichtung des Klammsteiges war demnach eine Meisterleistung.

 

Klammsteig

 

In meiner Erinnerung sieht der Eingang zur Klamm mit seinem Holzgatter seit Jahrzehnten gleich aus, immer noch gibt es die kleinen typisch steirischen Souvenirs zu kaufen: Hutanstecker, Nagel für die Wanderstöcke, Ansichtskarten etc.

Heuer bekam ich erstmals auch einen richtigen Wanderplan in die Hand gedrückt: Durch die Klamm braucht man in eine Richtung eine gute halbe Stunde (als Kind war das Abenteuer durch die Klamm für mich ewig lang), weiter gehts zum Spechtensee oder in einem wunderschönen Rundweg über eine alte Schwefelquelle und  Reste eines Kalkofens retour zur Burgruine Wolkenstein, an deren Fuße meist die Autos der Wanderer warten.

 

Ruine Wolkenstein

 

Die Bildtafeln am Eingang der Klamm zeigten eindrucksvoll, wie die Klamm im Jahre 2013 zeitweilig auf Grund der starken Niederfälle geschlossen werden musste und welcher Kraftaufwand von allen Beteiligten notwendig war, um die Klamm wieder gangbar zu machen: Als wir einstiegen, konnten wir uns von den nagelneuen Steigen überzeugen, die nur noch entfernt an die meiner Kindheit erinnerten, dem Steig aber nichts von ihrer Wildromantik nehmen.

 

Blumen in der Steiermark

 

An heißen Tagen haben wir uns in den Gumpen schon mal im eiskalten Flusswasser erfrischt. Der neu ausgeschilderte Rundwanderweg führte uns diesmal an reich blühenden Narzissenfeldern vorbei, was für ein Traum. Kurz bevor wir wieder zur Burgruine Wolkenstein gelangten, hatten wir einen eindrucksvollen Blick hinunter ins Ennstal.

 

Ennstal

 

Vom oberen Teil der Klamm könnte man in anderthalb Stunden an einem der schönsten Moorseen sein, die ich kenne, am gut 1000 Meter hoch gelegenen Spechtensee. Man kann aber auch einfach mit dem Auto hinfahren, was wir taten. Und auch diesmal wurden wir nicht enttäuscht – der Anblick des spiegelglatten, fast schwarzen Sees, der so wunderbar zwischen Ausseer Land und Ennstal liegt, ist immer wieder atemberaubend.

 

Spechtensee

 

Groß ist er nicht, im Moor kann man barfuß in 20 Minuten herumgestapft sein, aber einfach nur auf der Badeplattform zu liegen und in den See zu schauen – es gibt nichts Entspannenderes. Seit über 35 Jahren nenne ich auf meinem Wanderhut ein Abzeichen von der Spechtenseehütte mein eigen, da ist Einkehren natürlich immer noch Pflicht. So bleibt die die Spechtenseehütte bei uns meist krönender Abschluss eines Sommerurlaubs im Ennstal oder Ausseerland.

Text und Fotos: Angelika Mandler-Saul

Angelika Mandler-SaulTipp: Wer nicht baden will oder kann im moorigen Spechtensee, der sollte wenigstens barfuß um den See im Moor waten – und erst danach die köstlichen Mehlspeisen in der Spechtenseehütte probieren.

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