Hochsteiermark Magazin

Bahnhof Mariazell

 

Mariazell – Magentropfen, Gnadenmutter und Himmelstreppe

Mariazell – schon der Name klingt für mich wie alle Sommerfrische- Ausflüge meiner Kindheit zusammen. Die Oma wollte hin wegen der „Standln“ vor der Basilika mit den Devotionalien, um auch den Nachbarinnen was mitnehmen zu können und wegen des Magenbitters.

Der Opa wollte hin wegen der Wallfahrt, dem Wandern und weil er als Pfadfinder immer dort war. Mein Vater wollte hin, um seinen Eltern eine Freude zu machen und in die Kirche zu gehen und wir Kinder – wollten Lebkuchen. Ob von den „Standln“ oder direkt aus der Bäckerei, das war uns gleich.

 

Basilika Mariazell

 

Nach Mariazell gelangt man per pedes als Pilger – schließlich ist Mariazell der wichtigste Wallfahrtsort Österreichs – als Ausflügler im Reisebus und im Auto, auf dem Fahrrad über den traumhaften Traisentalradweg ab St.Pölten oder mit der Mariazeller Bahn. Egal wie ich anreise, das Gefühl nach Mariazell zu fahren, und sei es nur für einen Tagesausflug, war und ist für mich immer etwas Besonderes.

 

Mariazeller Basilika

 

Am Anfang jedes Mariazell-Besuches steht der Besuch der monumentalen und strahlenden Basilika, die für ihre Gnadenmutter und den Fischer von Erlach-Hochaltar bekannt ist. Auch die Apotheke gegenüber nennt sich seit dem frühen 19. Jahrhundert „Zur Gnadenmutter“ und ist bekannt für die eignenen Magentropfen, die es gar seit dem 18. Jahrhundert nach dieser Rezeptur geben soll.

 

Apotheke zur Gnadenmutter

 

Erst danach beginnt der Spaziergang durch Mariazell, der sich je nach Jahreszeit recht einsam (etwa im Jänner) oder von den Besuchermassen verfolgt gestalten kann. In jedem Falle empfiehlt sich das ganze Jahr lang – wenn die Parkplätze von Individualparkern und Reisebussen verstopft sind, eine Anreise mit der neuen Mariazeller Bahn aus St. Pölten – der Himmelstreppe.

 

Mariazeller Bahn

 

Am Hauptbahnhof Mariazell weisen eigene Schilder auf den Mariazeller Bahn Perron – schon beim Einsteigen in die neuen Waggons beginnt ein bisschen das Abenteuer. Wer sein Fahrrad mithat und aus Mariazell dann – leicht bergab – bis nach St.Pölten am Radweg retourradeln will, findet in den Zugbegleitern willige Helfer beim Einsteigen und Verzurren.

 

Mariazeller Bahnhof

 

Zwei Stunden lang rauscht die Himmelstreppe durchs Pielachtal, vorbei an Ötscher und Stauseen bis nach Mariazell, zu Fuß gelangt man dann am schön angelegten Gehweg innerhalb weiterer 15-20 Minuten ins Ortszentrum. Meist steht aber ein Bus am Bahnhof und nimmt alle, die ein Ticket von der Mariazellerbahn haben, gleich (gratis) mit hinauf.

 

Vorbei an den Stauseen

 

Nach der Renovierung der Mariazeller Bahn 2013 werden nun auch die Wartehäuschen sukzessive neu gestaltet. Das Betriebszentrum an der Laubenbachmühle hat ebenfalls eine bauliche Aufwertung erfahren: Ein großer, aber wunderschön ins Landschaftsbild passender Holzbau beherbergt nun am Wendepunkt zwischen Tal- und Bergstrecke die Werkstätte, Remise, den Bahnhof und auch ein Besucherzentrum.

 

Alte Stationshütte

 

Auch zum Wandern eignet sich die Himmelstreppe, wer kenn nicht die Station Ötschergräben? Von hier aus startet jene Wanderung, die uns Kindern immer als optimale Alternative anstatt heißer Sommertage in der Stadt angepriesen worden war und sich meistens als lang und anstrengend entpuppt hatte. Deswegen endeten solche Ausflüge dann auch meistens im nahen Erlaufsee.

 

Mariazeller Bahn

 

Die Bahnfahrt nach Mariazell jedenfalls wirkt auf mich unglaublich entschleunigend, kann in der Hochsaison aber auch schon mal in Rangelei um die Sitzplätze und begrenzten Stellplätze für die Fahrräder ausarten. Beim Schnitzel oder Kaffee mit Kuchen mit Blick auf die Basilika in Mariazell ist das aber schnell vergessen, denn „Einkehren“ in Mariazell gehört zum Besuch wie der Lebkuchen, die Bürgeralpe und die Magentropfen.

Text und Fotos: Angelika Mandler-Saul

Angelika Mandler-Saul

Egal wie ich nach Mariazell anreise, per pedes als Pilger, als Ausflügler im Auto oder mit dem Fahrrad, das Gefühl war und ist für mich immer etwas Besonderes.

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