Salzburg & Umgebung Magazin

Unterirdisches Salzburg

Unterirdisches Salzburg

Draußen regnets mal wieder wie aus Kübeln, aber hier in der Festspielstadt heißt das charmant „Salzburger Schnürlregen“. Die Stadt Salzburg meinte ich wie meine Westentasche zu kennen. Schließlich habe ich jahrelang zahlreiche Urlaube am nahen Mattsee gemeinsam mit meinen Großeltern verbracht – die Ausflüge „rein nach Salzburg“ waren stets die Höhepunkte.

Erstmals lerne ich aber Salzburg von unten kennen: Vom unterirdischen Almkanal nämlich.

 

Almkanal

 

Der wenig verlockende Einstieg befindet sich nahe dem Leopoldskroner Moor und während der so genannten „Almabkehr“ darf man – 3 Wochen pro Jahr – ins unterirdische Salzburg absteigen und den mittelalterlichen Stollen mit Führer erkunden. Da wird der Stollen gangbar gemacht und man darf rein, in diese geniale Konstruktion.

 

Unterirdisches Salzburg Einstieg

 

Unabdingbar sind dabei Gummistiefel und nicht unbedingt Festspielkleidung zu tragen. Denn bereits der Einstieg ließ uns vermuten, dass es sich hier um keinen Spaziergang handeln würde. Der Kanal ist heute immer noch in Betrieb - für Energieerzeugung, Brauchwasserversorgung und als Entwässerungssystem.

Aus der Königsseeache (Almfluss) wird Wasser in den künstlichen Almkanal abgeleitet - das Wasser fließt dann durchs Salzburger Land in die Salzburger Altstadt. Wer weiß, wo er hinschauen muss, der stößt in der Altstadt auf 7 Teilarme, die irgendwo aus der Böschung plätschern.

 

Almkanal Salzburg

 

Wir kletterten also direkt unter dem Mönchsberg durch den Almkanal – teilweise in der Hocke durch knöchelhohe Lacken – ich musste mich dabei oft auch an den feuchten Seitenwänden abstützen. Aber spannend war es allemal, schließlich wanderten wir teilweise auch auf alten Grabplatten – die einst am Friedhof beim Residenzplatz gelegen hatten.

Teilweise nur 1 Meter hoch, eng und voller eingebauter "Schikanen" über dem Kopf, gings im Stockdunkeln, gut ausgerüstet mit Stirnlampen und Taschenlampen durch das geheimnisvolle alte Gemäuer. Laut unserem Führer war die Bauweise damals so perfekt, dass sie auch heute noch allen modernen Statik-Test stand hält. Allein die Krümmung soll einmalig genial konstruiert worden sein.

 

Salzburg Almkanal

 

Das eigentliche Ende des Kanals befand sich  gar direkt unter der Festungsbahn – für mich ein gänzlich neuer Blickwinkel auf die Stadt Salzburg.

Aus der Unterwelt tauchten wir dann wieder mitten am St. Peter Friedhof aus. Dort, wo täglich tausende Touristen (und wie oft bin ich schon dort unwissend vorbeigegangen) an einer Georg Trakl Gedenktafel vorbeimarschieren, findet sich eine alte Holztür im Gemäuer. Aus dieser traten wir nach einer knappen Stunde recht  verdreckt und feucht, aber ungeheuer gut gelaunt, wieder ins Tageslicht. Nicht ohne von den sonntäglich gekleideten Friedhofsbesuchern mit unverhohlenem Misstrauen gemustert zu werden.

 

Festung Hohensalzburg

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Unterirdisches Salzburg

Text und Fotos: Angelika Mandler-Saul

Angelika Mandler-SaulTipp: Der Almkanal ist nur 3 Wochen im Jahr begehbar. Unbedingt schmutzabweisende Kleidung und am besten Gummistiefel einpacken.

Mit einem Rucksack am Rücken kann es recht eng werden.

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