Wienerwald Magazin

Sommerarena

 

Baden bei Wien - Kulturstadt und Kurstadt

„Ich kenn ein kleines Wegerl im Helenental…“ - den Schlager aus 1941 kenne sogar ich - und dabei bin ich diesbezüglich eigentlich ein „jüngeres Semester“. Das Helenental beginnt ja bekannter Maßen gleich hinter Baden („bei Wien“, wie es offiziell heißt) und eignet sich vorzüglich zum Spazieren und Wandern. Seit über 100 Jahren fährt die bekannte Badner Bahn die „nur“ 25 km vom Wiener Karlsplatz direttissima nach Baden - bis vor das Arnulf Rainer Museum, doch davon später.

 

Mit Beethoven im Rosarium

 

Als Wienerin fährt man eher selten nach Baden (auch wenn es „bei Wien“ liegt) - denn dafür liegt es einfach ZU nah. Zu Mozarts und Beethovens Zeiten, beide haben sich oft in Baden aufgehalten, musste man eine beschwerliche 3 bis 4-stündige Kutschen-Fahrt auf sich nehmen. Später kam der Zug und damit auch die Cur-Gäste. Heutzutage kurt man immer noch in Baden, der nahe Wienerwald lädt zum Spazieren und Radfahren (auch auf dem besagten Wegerl Richtung Ruine Rauhenstein) ein, aber die Stadt selbst ist ebenfalls unbedingt sehenswert.

 

Doblhoffpark BAden

 

Kurstadt und Kulturstadt und immer noch Kaiserstadt - diesen Flair hat man sich bis heute erhalten. Wunderschön renoviert und in post-kaiserlichem Glanz erstrahlt die Innenstadt mit verlockenden Boutiquen und vielen Einkehrmöglichkeiten.

 

Thermalstrandbad Baden

 

Ehrlich überrascht war ich bei meinem Besuch über das reichliche Kulturangebot in Baden. Genug zu sehen und zu tun für einige sommerliche Tage gibt es hier allemal: Gleich zwei Theater mit Operettenprogramm (wie es sich für eine ehemalige k.u.k. Stadt gehört - der allerdings dann irgendwann Bad Ischl den Rang ablief), wobei unter der Sommerarena (mit genialer Dachkonstruktion) auch gleich die vielgelobte Badener Thermalquelle entspringt. Weiters moderne Museen, ein höchst gepflegter Kurpark, viele Spazier-und Radwege und für die heißen Tage: Genug Möglichkeiten, um sich - stilvoll, versteht sich, ordentlich abzukühlen.

 

Thermalstrandbad Duschen

 

Das Thermalstrandbad Baden ist ein Art Deco Gebäude aus den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrtausends - hier versehen noch „Aufseher“ ihren Schlüsseldienst bei den originalen Kabinen, die extra „aufgesperrt“ werden müssen. Zu erreichen ist das Badener Strandbad in einem schönen Spaziergang von der Innenstadt durch den Doblhoff-Park, der bekannt ist für sein riesiges Rosarium - aber auch für ein stilvolles Picknick unter den alten Bäumen kann man hierher kommen. Davor noch eine kleine romantische, unverbindliche Bootsfahrt am Teich absolvieren, wie anno dazumals.

 

Picknick im Rosarium

 

Zurück zur Kultur in Baden: Besonders gefallen und überrascht hat mich das Beethovenhaus. Beethoven hatte ja zeit seines Lebens mit allerhand Krankheiten zu kämpfen und kam oft auch nur für einen einzigen Tag von Wien hier heraus. Er war „Stamm-Curgast“ und schrieb hier in diesem Hause seine Missa Solemnis als auch große Teile seiner 9. Symphonie mit der „Ode an die Freude“, der heutigen Europa Hymne. Und darauf ist Baden natürlich besonders stolz: Sich „Stadt der Europahymne“ nennen zu dürfen.

 

Beethovenzitat aus Baden

 

Beethoven ist demnach allgegenwärtig in Baden - 15 Mal war er da und nicht immer zur Freude seiner zahlreicher Vermieter, da er in seinem Schaffensdrang schon mal die Fensterläden bekritzelte. Im Beethovenhaus kann man an sich selbst ausprobieren, wie sich ein Hörverlust (so wie bei Beethoven) auswirkt, auf der Partitur während eines Konzerts mitlesen und die Hausglocke Beethovens läuten. Natürlich werden auch seinen Spleens und Eigenheiten einige Zimmer gewidmet - unbedingt besuchenswert!

 

Beethovens Neunte

 

Eine eigene Praline mit dem Namen „Beethoven 9. Symphonie“ wurde von einem Badener Patissier kreiiert. Neben diesem meinem kulturellen Highlight in Baden gibt es noch einige andere besuchenswerte Museen (u.a. das älteste Niederösterreichs, das Kaiserhaus und Kaiser Franz Josef Museum). Architektonisch und historisch sehr spannend ist das Arnulf Rainer Museum, das auf den Marmor-Resten eines alten Badehauses seine Werke präsentiert. Wie gesagt, gleich bei der Endstation der Badner Bahn.

Text und Fotos: Angelika Mandler-Saul

Angelika Mandler-Saul

Mein Tipp: Das Beethoven Haus in der Badener Altstadt besuchen, sich dort Zeit lassen und danach in der Patisserie Gasser am Hauptplatz die „9.Symphonie-Praline“ kosten!

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