Weinviertel Magazin

Thayatal Nationalpark

Nationalpark Thayatal – Naturjuwel im nördlichen Weinviertel

Ganz im Norden des Weinviertels schlängelt sich die Thaya durch eine dicht bewachsene Hügellandschaft. Sie bildet die natürliche Grenze zur Tschechischen Republik. In den Zeiten des Eisernen Vorhangs wurde diese Grenze scharf bewacht, und illegale Grenzgänger gnadenlos beschossen. Alle Flussquerungen waren gesperrt. Auch die kleine Brücke in Hardegg, Österreichs kleinster Stadt, war davon betroffen. Auf der tschechischen Seite versperrte ein Schlagbalken den Weg, und die im Wachgebäude stationierten Posten sorgten dafür, dass dies auch so blieb. So unbefriedigend diese Situation für die menschlichen Bewohner war, für die Natur bedeutete es einen Segen.

 

Grenzübergang Hardegg

 

Und so blieb die Auenlandschaft beiderseits des Flusses unberührt von menschlichen Aktivitäten und entwickelte sich zum Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere. Nachdem im Jahr 1991 die tschechische Seite zum Nationalpark erklärt wurde, zog Österreich 1997 nach und erklärte das Gebiet um Hardegg zum Naturschutzgebiet. Da beide Teile des Schutzgebietes über die Hardegger Brücke verbunden sind, kann man von österreichischer Seite aus auch die Wander- und Radwege des tschechischen Teils benutzen. Ein Wochenende sollte man sich schon Zeit nehmen, um die idyllische und wunderbare Natur zur erkunden.

 

Thayatalweg Niederösterreich

 

Als Ausgangspunkt empfiehlt sich Hardegg selbst, wenngleich man auch in den Nachbargemeinden günstige Unterkünfte findet. Ich selbst schlug mein Quartier in einer Pension direkt an der Thaya auf. Größere Hotels sucht man vergeblich, Bankomaten oder Internetcafés (selbst Internet am Zimmer) ebenso. Um mein Zimmer zu bezahlen, musste ich ins 16 km entfernt gelegene Retz fahren, denn ich hatte nicht genügend Bargeld dabei. Das ist ungewohnt, doch eine willkommene Abwechslung von einer überbordenden und manchmal überfordernden Zivilisation.

 

Etwas außerhalb von Hardegg liegt das Besucherzentrum des Nationalparks. Dort bekommt man nicht nur Kartenmaterial und andere Informationen, sondern kann auch gleich direkt ins Wegenetz einsteigen. Auch Elektro-Fahrräder kann man dort ausleihen, die man an Ladestationen entlang des Wegenetzes wieder auflädt.

 

 

Thayatal Auen

 

Da ich schon früh aus Wien angereist bin, entscheide ich mich für Weg Nummer 1, den Thayatalweg. Über weite Strecken folgt er dem Fluss entlang rund um den Umlaufberg, einen der schönsten Abschnitte der Gegend. Still und friedlich fließt die Thaya dahin, ich fühle mich fern der Zivilisation und vollkommen eingebettet in die Natur. Mal verläuft der Weg als steiniger, schattiger Pfad, dann wieder als breiter, sonniger Wiesenabschnitt. Jetzt im Herbst ist das Gras am Morgen noch feucht vom Tau, und der Wald voller Pilze. Parasole und Fliegenpilze kann ich identifizieren, dazu kommen eine Vielzahl an Täublingen und andere Arten, die ich nicht kenne. Andere Wanderer treffe ich kaum an diesem Montag.

 

Unterwegs erblicke ich die Ruine Neuhäusel, die auf der anderen Seite auf einem Hügel liegt und von der tschechischen Seite besser zu erreichen ist. Dafür komme ich am Ende des Kajatals an der Ruine Kaja vorbei, die zu meinem Bedauern heute aber geschlossen ist. In Merkersdorf treffe ich auf die Landesstraße, die zurück zum Besucherzentrum führt. Jetzt warten zwei Kilometer Fußmarsch auf mich, doch ich habe Glück. Als ich den Daumen zum Auto stoppen erhebe, hält ausgerechnet ein ehemaliger Arbeitskollege an und nimmt mich mit.

 

Burg Hardegg

 

Da ich noch Zeit habe, folge ich dem Hardegger Rundwanderweg (Weg Nr. 3) zur Burg Hardegg und weiter zum Reginafelsen und dem Maxplateau, von wo ich einen sehr schönen Ausblick über Hardegg und die Thaya genieße. Die warme Abendsonne überzieht die Landschaft mit ihrem gelben Licht und grüne Hügel rollen wie Wellen in alle Richtungen. Als ich zu meiner Pension zurückkehre, blicke ich auf einen erfüllten Tag zurück.

 

Burg Frain

 

Am nächsten Morgen besuche in die tschechische Seite. Gleich nach der Brücke zweigt Weg B zu den Eishöhlen ab, die man auf schmalen Schmugglerpfaden erreicht. Den höchsten Punkt des Weges markiert ein Obelisk, von dem aus ich aber weniger sehe, als erwartet. Erst nach einem kurzen Abstecher durchs Gebüsch erspähe ich den weiteren Verlauf der Thaya auf ihrem Weg nach Vranov (deutsch: Frain). Von diesem Punkt aus könnte ich theoretisch bis nach Frain weitergehen, immer der Thaya folgend.

 

Frain im Weinviertel

 

Nach Frain fahre ich ein wenig später mit dem Auto. Zwischen Riegersburg und Frain gibt es einen kleinen Grenzübergang, über den ich auf abgelegenen Landstraßen den kleinen, doch sehr malerischen Ort erreiche. Auf einem Felsen über dem Ort thront die Burg Frain, der ich natürlich einen Besuch abstatte. Über Znaim (Znojmo) fahre ich zurück nach Österreich. Für eine Stadtbesichtigung ist es nun zu spät, doch das hebe ich mir für ein anderes Mal auf. Wie heißt es doch? »Heute ist nicht aller Tage. Ich komme wieder – keine Frage!«

Text und Fotos: Albert Karsai

Albert Karsai

Wie heißt es doch? »Heute ist nicht aller Tage. Ich komme wieder – keine Frage!«

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