Waldviertel Magazin

Hammerschmiede Fürst

Kreatives Waldviertel

Wo wir sind, ist oben, lautet das Motto des Tourismusbüros im Waldviertel. Es könnte aber auch lauten: Wo wir sind, ist kreatives Handwerk. Denn auf dem goldenen Metallschild in Weitra steht deutlich: Maria Fiedler, Zwirnknopferzeugung, und das erinnert mich doch stark an meine Bettwäsche die ich als Kind hatte, die statt einem langweiligen Reißverschluss mit weißen Zwirnknöpfen ausgestattet war.

Angeblich steigt auch wieder die Nachfrage nach diesen traditionellen handgenähten Knöpfen. Aber Maria Fiedlers Betrieb ist nicht der einzige im Waldviertel, der sich einem besonderen Handwerk verschrieben hat.

In Felling bei Hardegg ist zum Beispiel Österreichs einzige Perlmuttermanufaktur untergebracht. Wobei ich mich da schon gefragt habe: Wo nehmen die das Perlmutt her? Und diese Frage ist schnell beantwortet: Aus der Thaya. In diesem Grenzfluss lebten viele Flussmuscheln. Tonnenweise wurden die Muscheln aus dem Fluss gefischt und in der Perlmuttmanufaktur verarbeitet.

 

Perlmuttdrechslerei

 

Ein Staudamm veränderte die Wasserqualität, die Muscheln wurden weniger. So auch die Auslastung des Betriebes. Zu den besten Zeiten arbeiteten 45 Mitarbeiter im Betrieb mit, als die Kunststoffknöpfe modern wurden, mussten Mitarbeiter entlassen werden. Mittlerweile floriert das Unternehmen aber wieder, namhafte Modehäuser wie Escada und Cerutti zählen zu den Abnehmern des Waldviertler Qualitätsbetriebes, der mittlerweile seine Muscheln aus Australien und Indonesien bezieht.

 

Ketten aus Perlmutt

 

Neben Knöpfen werden auch Schmuckstücke und Löffeln aus Perlmutt produziert. Wer zusehen will ist gerne eingeladen. Die Perlmuttmanufaktur ist ein Schaubetrieb.

„Zwettl’s ältester Handwerksbetrieb, Gegründet 1478, Friedrich Fürst, Werkzeug u.Kunstschmiede“ steht auf dem Schild über einem kleinen Häuschen am Rande von Zwettl. Im Inneren ist es bitterkalt, so stelle ich mich gerne zum Feuer oder eigentlich zur „Esse“ wie Herr Fürst, der Inhaber, fachmännisch sagt.

 

Friedrich Fürst Schmiede

 

Bis 1970 wurden in der Schmiede fast ausschließlich Werkzeuge hergestellt, eine Kunst, von der man heute nicht mehr überleben kann. So hat sich der Besitzer auf Kunstschmiedearbeiten spezialisiert, repariert ab und an Pflugscharen und stellt Grabkreuze her.

Schmieden ist Schwerstarbeit, das merke ich, als ich zum ersten Mal einen Hammer in der Hand halte und auf das glühende Metall einschlage. Nur selten gelingt es mir den richtigen Moment zu erwischen, als das Eisen noch heiß ist. Ja, die Redensart „Man muss das Eisen Schmieden, solange es glüht“, bewahrheitet sich.

 

Schmiede im Waldviertel

 

Die nächste kreative Station im Waldviertel bringt mich in die Waldglashütte Kurt Zalto nach Neunagelberg. Auch hier heißt es den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, bis sich ein Klumpen Glas in die richtige Form, in meinem Fall in einen Frosch, bringen lässt.

 

Glashütte im Waldviertel

 

Schnell muss man sein und trotzdem präzise, zwei Eigenschaften, die auf den Glasbläser Ladja, er hat heute Dienst am Ofen, zu hundert Prozent zutreffen. Mit Hilfe von Franz, seinem Helfer, entsteht in wenigen Minuten ein Frosch.

 

Waldglashütte Kurt Zalto

 

Bisher habe ich nicht gewusst, dass im Waldviertel solche kreativen Kunstwerke entstehen. Was werde ich wohl bei meinem nächsten Besuch entdecken?

Text und Fotos: Gudrun Krinzinger

Gudrun Krinzinger

Unglaublich kreativ präsentiere sich mir das Waldviertel anlässlich der Waldviertler Handwerkswochen im Frühling. Die Palette der Schaubetriebe reicht von Glasblasen über Schmieden bis zum Perlmuttdrechseln.

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