Neusiedler See Magazin

Der Hauptplatz in Rust

 

Ein Wintertag in Rust

Ich war schon einige Male in Rust. Gerne erinnere ich mich an meinen Aufenthalt vor Jahren im Sommer, als ich mit dem Fahrrad einen Teil des Neusiedlersees „abgefahren“ bin. Für eine ganze Umrundung hat meine Energie damals nicht gereicht. In einer Buschenschank bin ich hängengeblieben, wo sonst? Die hervorragenden Weine des Burgenlands habe ich verkostet und mich kurz darauf entschlossen, ein Seminar der Weinakademie zu besuchen.

Zur Auswahl standen viele Orte in Österreich und ich entschied mich natürlich für Rust. Wir saßen nicht nur im Seminarraum, sondern besuchten auch Winzer in ihren Weinkellern und Weingärten. Und landeten im Anschluss in einer Buschenschank, wo sonst?

 

Buschenschank

 

Eine ganz andere Erfahrung war mein Ausflug nach Rust an einem kalten Wintertag im Jänner. Rust war wie ausgestorben. Die Heurigen hatten geschlossen und wiesen auf handgeschriebenen Zetteln an den Eingangstüren auf die Öffnungszeiten im kommenden März hin. Der Winter hatte sämtliche touristischen Aktivitäten lahmgelegt. Kein Radfahrer verirrte sich auf den schönen Hauptplatz. Kein Ausflugschiff pflügte über den Neusiedlersee.

 

Freistadt Rust

 

Es war ganz ruhig. Naja, fast ganz ruhig. Denn plötzlich begann etwas zu klappern. Oberhalb von mir! Und da standen zwei Hauptattraktionen Rusts und ließen sich bestaunen. Die beiden Störche hatten wohl den Abflug nach Marokko verpasst?

Rust wird „Stadt der Störche“ genannt. Der Storch ist der Wappenvogel der Stadt. Ein eigener Verein kümmert sich um die Vögel und sorgt für Futter- und Brutplätze. Außerdem werden verletzte oder schwache Tiere gepflegt und anschließend ausgewildert. Das sichert den Bestand der Tiere.

 

Störche im Burgenland

 

Schön sind sie anzusehen, wie sie da oben auf den Schornsteinen sitzen. Ob sie wissen, dass sie auf Weltkulturerbe brüten? Denn die Ruster Altstadt wurde zeitgleich mit der Wiener Innenstadt und der Region Neusiedlersee von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen. Zu recht, wie ich finde. Jedes Fenster, jedes Tor ist aufwändig mit Stuck umrahmt und verziert. Am heutigen Tag strahlen die Fassaden in ihren bunten Farben mit dem blauen Himmel um die Wette.

 

Rust im Burgenland

 

Ein besonderes Haus ist das Kremayerhaus am Conradplatz. Hier ist das Stadtmuseum untergebracht, mit vielen besonderen Ausstellungsstücken des letzten Inhabers Rudolf Kremayr. Für eine Besichtigung der Innenräume muss ich ein andermal wiederkommen, jetzt im Jänner hat das Museum geschlossen.

Auch auf den Kirchturm kann ich heute nicht rauf. Ich habe mich immer schon gewundert über die Anzahl der Kirchen in Rust. Gotisch ist die eine, katholisch die andere und evangelisch die dritte. Wobei die gotische Fischerkirche heute als Museum genutzt wird und die katholische Kirche früher evangelisch war. Alles klar?

 

Winzer in Rust

 

Eine letzte Runde drehe ich über den Hauptplatz, bevor mich mein Weg zum Neusiedlersee führt. Eislaufen steht heute nicht am Programm, wobei ein paar kalte Tage Wunder wirken können. Gestern war es noch wärmer und erst heute Vormittag hat es Frau Holle gut gemeint und diesen Teil des Burgenlands mit Schnee bedeckt. Einfach zauberhaft, dieser Wintertag in Rust.

 

Neusiedlersee in Rust

Text und Fotos: Gudrun Krinzinger

Gudrun Krinzinger

Mein Tipp für Rust: Statt den turbulenten Zeiten im Sommer, wo sich Radfahrer und Buschenschankbesucher durch die Gassen schieben, der Freistadt Rust einen Besuch im Winter abstatten. Herrliche Ruhe erwartet den Gast, nur die Störche klappern trotzdem.

Kurzurlaub Angebote in Rust

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